Spazieren gehen

Spazieren bringt Dein Hirn in Schwung

Ein Blog übers Spazieren*? Ja, warum nicht.

Es gibt einige Gründe, weshalb ich zu diesem Thema schreibe:

– In den letzten Tagen las ich per Zufall mehrere Berichte über Menschen und ihre Wander-Erlebnisse, was mich ausserordentlich inspirierte.

– In der aktuellen Zeit hat das Spazieren, besonders direkt vor der Haustüre startend, einen befreienden Touch. Egal ob alleine, mit Familie, Freunden, Hund und/oder Fotoapparat.

– Vermutlich hat mein Fehltritt vor 2 Wochen und die noch nicht verheilte Bänderzerrung mir schmerzlich aufgezeigt, wie wichtig mir das Spazieren durch die Landschaft ist, seufz.

*Alle ähnlichen, jedoch dynamischeren Aktivitäten sind mit eingeschlossen: wandern, walken, joggen, Skitouren, Schneeschuhtouren, pilgern, weitwandern usw.

Wenn der Alltag zu fordernd wird

Viele Menschen fühlen sich in der heutigen Zeit überrollt von den vielen Informationen, Anforderungen, To-Do`s und Entscheidungen.

Wenn die Überlastung zunimmt, ein Gedanke den nächsten jagt, Multitasking Dein Leben regiert, Sorgen und überreizt sein zunehmen, so ist es höchste Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang, idealerweise in einem Dir angepassten Tempo.

Schon der altgriechische Arzt Hippokrates wusste, dass Gehen die beste Medizin ist. Vermutlich würde er diejenigen unter uns, die den ganzen Tag zu Hause oder in Büros sitzen, am laufenden Band ermahnen. Denn wir gehen immer weniger raus. Laut Studien verbringen immer mehr Menschen mehr Zeit in Innenräumen.

Auch wenn das natürlich schwer messbar ist, gibt es in der Forschung Hinweise darauf, dass Bewegung an der frischen Luft noch wichtiger für unsere psychische Gesundheit ist, als wir ohnehin schon vermutet haben.

Es gibt Studien, welche belegen können, dass zum Beispiel die Depressionsrate in Zukunft gesenkt werden kann, wenn jeder Mensch nur eine Stunde pro Woche mit körperlicher Aktivität verbringen würde.

Die Einfachheit macht es aus

Im Gegensatz zum durchorganisierten Alltagsleben, braucht es für einen Spaziergang keinerlei grosse Planung oder spezielle Anschaffungen.
Die Spontanität und Losgelöstheit von äusseren Rahmenbedingungen und Pflichten kann eine innere Freiheit bewirken und Dich erkennen lassen, dass weniger Planung und Kontrolle sich befreiend anfühlen. Wann immer Du das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung hast, oder einfach wieder einmal durchatmen willst, dann schnür die Schuhe und gehe raus ins Freie.

Nebst der Spontanität und Freiheit ist das Spazieren auch ein Selbstfürsorge-Akt, dem Du alleine oder mit anderen nachzugehen kannst. Ein Spaziergang mit der Familie oder Freunden kann wie Balsam für die Seele wirken. Vielleicht könnte daraus ein gemeinsames Ritual entstehen? Aber auch alleine kann ein Spaziergang eine Möglichkeit sein, sich selber wieder näher zu sein. Fern von all den Ablenkungen, Sorgen und Verpflichtungen, die der Alltag mit sich bringt.

Endlich wieder Gelegenheit bekommen, bei sich selber zu sein. Das regelmässige Spazierengehen beugt psychischen Krankheiten vor, das allgemeine Körpergefühl wird verbessert und fördert zusätzlich unsere Kreativität.

Der Gang durch die Natur schafft ausserdem die Möglichkeit, die Sinne zu betätigen. Das Ein- und Ausatmen der frischen Luft, das Betrachten der Farben, in denen sich die Natur je nach Jahreszeit zeigt, das Hören von Vogelgezwitscher, aber auch die Stille und das Spüren des Windes geben uns neue Energie. Auch fördert das Spazieren unsere Konzentration.

Bewegung regt unsere Gehirntätigkeit an

Aber warum ist Gehen so anregend? Die Antwort liegt in unserem Hirn. Das Gehirn hat zwei Gedächtnissysteme: Ein aktives Verstands-Gedächtnis und ein unbewusstes Gedächtnissystem – siehe dazu mein letzter Blogbeitrag:
Zwei Arten von Gedächtnis.

Wenn das Gehirn im aktiven Verstand-Modus ist, konzentriert es sich auf eine ganz bestimmte Aufgabe, wie zum Beispiel etwas zu zählen. Im Gehen kann der Unbewusste-Modus dagegen frei umherschweifen, erforschen und Erinnerungen verarbeiten.

Kreativität entsteht dann, wenn die beiden Denkmodelle gleichzeitig auftreten. Und Gehen regt das Gehirn zu genau dieser Leistung an. Gehen – oder genauer gesagt, räumliche Navigation – stimuliert nämlich den Teil des Gehirns um den Hippocampus herum, der auch das Gedächtnis konzentriert hält. So sind beide Gedächtnisse gleichzeitig aktiv.

Gehen und andere Bewegungsarten haben auch positive Auswirkungen auf die Gehirnfunktion, weil sie die Produktion neuer Gehirnzellen fördern. Die wiederum sind wichtig für unsere Lernfähigkeit. Noch dazu hat das Gehen einen positiven Effekt auf unsere Muskulatur. Der Satz „use it, or lose it**“ fasst es ganz gut zusammen. Der Körper macht sich einfach nicht die Mühe, Muskeln zu erhalten, die er nicht regelmässig benutzt.

** auf Deutsch: Nutze sie oder verliere sie.
D
as bedeutet, dass eine Fähigkeit verloren gehen kann, wenn sie nicht geübt oder einsetzt wird. In diesem Beispiel: Wer seinen Körper nicht trainiert, verliert vermutlich an Kraft, Ausdauer und Durchhaltevermögen.

In Bewegung kommen nach einem Schockerlebnis

Nach einem traumatischen Erlebnis, welches noch nicht verarbeitet ist, kann Spazierengehen – in einer bekannten Umgebung und eventuell mit einer vertrauten Person – sehr hilfreich sein. Die Gedanken können sich im Gehen besser ordnen, die körperliche Anspannung lässt nach und das Geschehene kann besser erfasst und verarbeitet werden. Treibe ruhig auch Deinen gewohnten Sport, wenn Deine körperliche Verfassung dies zulässt. So bleibst Du in Deiner Routine und in der Dir so wichtigen Bewegung.

Falls es Dir schwerfällt, in Bewegung zu kommen, so ist es sinnvoll, sich einer Gruppe anzuschliessen. Vielen Menschen tut es gut, in einer Gruppe unterwegs zu sein, wir sind nun mal soziale Wesen und können uns so gegenseitig motivieren.

Fazit:

Ob Du Deine Kreativität fördern, Deine Muskeln stimulieren oder Dich einfach nur besser fühlen willst, die Lösung ist dieselbe: Gönne Dir einen Spaziergang! Und dies regelmässig. So kannst Du wieder zu sich selber finden, besser Entscheidungen treffen und Überlastung reduzieren.

Der Spaziergang kann Dir somit zu neuen, kreativen Gedanken verhelfen und Dir Ruhe, Kraft und Klarheit geben.

Kleiner Tipp zum Schluss:
Wahrscheinlich hast Du schon mal gehört, dass man über eine schwierige Frage schlafen soll. Aber warum versuchst Du es nicht auch mit „darüber gehen“? Wenn Du das nächste Mal ein Problem zu lösen hast, probiere es doch mal aus!

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich bei Dir ein wenig Spazier-, Flanier- oder Wanderlust entfachen konnte.

Und sobald mein Fuss wieder heil ist, marschiere auch ich wieder los…

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